Andrang im Verschenkeladen

An der Widumstraße finden alte Dinge neue Besitzer / Kartei umfasst 3000 Bedürftige

 HAMM-Mitte • Auch nach Weihnachten ist der Andrang im Verschenkeladen groß. Wer arm und bedürftig ist, erhält hier gegen eine Spende Bekleidung, Haushaltsgeräte oder Spielzeug. An diesem Mittwoch, dem ersten Tag nach einer kurzen Weihnachtspause, ist es wie immer: Bereits eine halbe Stunde vor Ladenöffnung hat sich eine lange Schlange vor dem Geschäft an der Widumstraße gebildet.

„Es gibt keinen Laden in Hamm mit mehr Kunden“, sagt Teamsprecher Josef Osterhoff mit einem Augenzwinkern. Besonders am Mittwoch sei es hier immer so voll. Das liege an der gestiegenen Zahl von Bedürftigen in der Stadt, aber auch daran, dass es mittwochs und samstags neue Waren gibt. An diesen beiden Tagen ist der Laden am Vormittag ausschließlich für Warenanlieferungen geöffnet.

Die Waren werden gesichtet, sortiert und umgehend in die Verkaufsregale geräumt. Angeboten werden fast alle Dinge des täglichen Bedarfs mit Ausnahme von Lebensmitteln. Dazu gehören unter anderem Bekleidung für Groß und Klein, Schuhe, Porzellan, Elektrogeräte, Spielsachen, Bücher oder CDs. Vorwiegend werden die Gegenstände von Privatleuten vorbeigebracht. Manchmal sind es auch Firmen, die nicht mehr aktuelle Lagerbestände abgeben. Nichte angenommen werden Matratzen; Möbel, Elektroschrott, Röhrenmonitore, Lebensmittel, Problemstoffe und Gegenstände mit einem Gewicht über 25 Kilogramm.

Annahme, Sortierung und Verkauf bewältigen nach Osterhoffs Angaben insgesamt mehr als 60 Mitarbeiter in neun Teams in täglich wechselnden Vor- und Nachmittagsschichten. Fast alle machen das ehrenamtlich. Zumeist sind es Pensionäre und Hausfrauen; Zwei arbeiten auf Ein-Euro-Basis. Das Konzept, eine kleine Spende gegen Ware, funktioniert nun schon seit 2003. Festgeschrieben ist die Regel, dass jeder Besucher des Ladens höchstens einen bereitstehenden Korb mit Waren füllen darf und dieser dafür eine Spende von 1 bis 2 Euro zu entrichten hat.

Besonders an Mittwochnachmittagen. wenn die Regale frisch gefüllt waren, haben manche Kunden diese Regel vergessen. Spätestens an der Kasse werden sie aber wieder daran erinnert. Dann müssen auch schon einmal Dinge wieder zurückgelegt werden. Kunden, die häufiger kommen, sind in einer Kartei gelistet, die rund 3000 Personen umfasst. Damit soll sichergestellt werden, dass ausschließlich Bedürftige das Angebot nutzen. Als bedürftig gelten Hartz-IV- und Sozialhilfeempfänger sowie Geringverdiener. Erfreulich ist die Einsparung von Kosten für die Müllentsorgung. Anstatt ausrangierte Waren wegzuwerfen, finden diese im Verschenkeladen neue Besitzer. „Das ist praktizierte Nachhaltigkeit“, sagt Josef Osterhoff stolz. • spi

 Wappenteller für Humanitas e.V.

Nur ein Korb dürfen die Bedürftigen mit ausrangierten Waren füllen. Das Angebot wird dennoch gut angenommen. • Foto: Spiralke

Quelle: Westfälischer Anzeiger Hamm - Januar 2014 • Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.