Chic, charmant und "öko"

Der Verschenkeladen ist nicht nur für Bedürftige

Hamm (mig) • Wenn sich morgens um 10 Uhr oder nachmittags um 15 Uhr Menschentrauben bilden in der Widumstraße, dann öffnet bald der Verein Humanitas seine Tür. Der im November 2003 gegründete Verein betreibt dort einen "Verschenkeladen“ — das heißt: Hier werden gebrauchte und zum Teil auch neue Kleidung und nicht verderbliche Waren des täglichen Bedarfs angenommen und überwiegend an bedürftige Personen gegen eine kleine freiwillige Spende abgegeben.

Das sei nicht alles, sagt Veronika Petersen. Die 54-Jährige engagiert sich so lange in dem Verein, wie es ihn gibt. "Wir geben nicht nur Sachen an Bedürftige“, sagt sie, "zu uns kann jeder kommen, auch wenn er nicht bedürftig ist.“ Denn die Kleidung, die im Laden angeboten wird, sei oft von so guter Qualität, dass sie für jeden interessant sei.

Und Petersen schiebt weitere Argumente nach. Wer sich bei Humanitas eindecke, unterstütze die Idee eines ökologischen Kreislaufes. Wer Kleidung abgebe, habe davon einfach zu viel, und es sei sinnvoll, dass andere sie dann übernehmen, ob bedürtig oder nicht. Das habe mehr mit dem Überfluss zu tun, den die Gesellschaft fördere. "Man kann auch mit gebrauchten Klamotten modische Akzente setzen“, fügt Petersen hinzu, "und gebrauchte Kleidung beinhaltet auch weniger Chemie, das tut der Haut gut.“

Und: Humanitas biete weitaus mehr als nur Kleidung. "Bei uns gibt es alles, was man täglich in Gebranch hat“, sagt Vereinsvorsitzender Werner Kaßen. Seine ehrenamtliche Mitstreiterin Veronika Petersen zählt auf: Geschirr, kleine Haushaltsgeräte, Bücher und Spiele. All das könne doch wieder in den Wittschaftskreislauf gegeben werden.

Und noch eine Idee hat hat Veronika Petersen: Der Verschenkeladen könnte auch für Motto-Partys und Karneval oder Abi-Feten genutzt werden: "Dann holt sich jemand hier die passenden Klamotten und bringt sie nach ein paar Tagen wieder zurück.“ Wenn ein Nicht-Bedürftiger bei Humanitas gegen eine Spende etwas mitnimmt — fehlt das dann nicht womöglich einem Bedüftigen? Das lässt Petersen nicht gelten. Es sei genug für alle da, und wenn alle sich zuweilen bei Humanitas versorgten, würden die Müllberge nicht so sehr in den Himmel wachsen. Und: Das Schnäppchen-Jagd-Gen käme auch auf seine Kosten.

Der Verschenkeladen von Humanitas in der Widumstraße ist für alle da, sagt Veronika Petersen (links), nicht nur für Menschen, die bedürftig sind. Foto:SudermannDer Verschenkeladen von Humanitas in der Widumstraße ist für alle da, sagt Veronika Petersen (links), nicht nur für Menschen, die bedürftig sind. Foto:Sudermann

Quelle: Stadtanzeiger Hamm - 17. Märtz 2013 • Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.