Gebraucht ist nicht verbraucht

Das Sozialkaufhaus Humanitas erfreut sich zum Zehnjährigen wachsender Beliebtheit

Von Frank Osiewacz

HAMM-MITTE • Erfolgsgeschichten sind rar, insbesondere, wenn sie über Jahre Menschen helfen, ohne Profit daraus zu machen. Solch eine Erfolgsgeschichte hat in den vergangenen zehn Jahren zweifellos das Sozialkaufhaus Humanitas an der Widumstraße geschrieben. Hier kleben keine Preisschilder an den Artikeln; Bedürftige können sich mitnehmen, was andere nicht mehr benötigen und dafür eine Spende hinterlassen. Gestern feierten Humanitas und das Erfolgsmodell für Hamm ihr zehnjähriges Bestehen.

Vor zehn Jahren stellte die Eigentümerin von Tapeten Seewald dem Verein Humanitas e.V. ihre Räumlichkeiten mietfrei zur Verfügung. Ganz nach dem Konzept des Vereins: anderen Menschen ohne großen finanziellen Aufwand helfen. Das Konzept ging auf. Seit zehn Jahren verzeichnet der Vorsitzende von Humanitas e.V., Werner Kaßen, ungebrochenen Zulauf im Sozialkaufhaus.

Hier gibt es alles: vom Wintermantel bis zum Kinderspielzeug. Was andere Menschen nicht mehr benötigen, stellen sie Menschen mit weniger dickem Portmonee zur Verfügung. „Das Model hat sich bewährt“, sagt Kaßen. „Die Gebebereitschaft in Hamm ist sensationell hoch.“ Ebenso die Dankbarkeit bei den Kunden und umgekehrt auch bei den Einlieferern, weiß Kaßen.

Rund 90 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen zurzeit im Schichtdienst mit, die Anfragen zu bewältigen. Sie sind in einzelnen Teams organisiert. Bei Humanitas e.V. gibt es zudem eine Geschäftsleiterin auf 400-Euro-Basis, eine zum Großteil von der Stadt mitfinanzierte Bürgerkraft sowie das nötige Reinigungspersonal.

Das gesamte Team ist gut eingespielt und bewältigt tägliche das geldlose Geschäft von Angebot und Nachfrage. Zentnerweise Spendenmaterial will sortiert werden, um in den neuen Abnehmer-Kreislauf zu gelangen. Hinter den Kulissen arbeiten fleißige Hände. damit Bedürftige gute Kleidung und Gegenstände für den Alltag finden.

„Kunden“ erhalten ihre Berechtigungskarte, wenn sie eine Lohn- oder Rentenbescheinigung vorlegen. Mit ihrem persönlichen Ausweis können sie einmal in der Woche Dinge für den persönlichen Gebrauch erwerben. Dabei sollte jeder eine Spende abgeben – in der Höhe, die er sich leisten kann.

Zum Zehnjährigen von Humanitas besuchten gestern 22 Schüler der Jahrgangsstufe 8 am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium das Sozialkaufhaus. Sie sprachen mit Anlieferern und Kunden und hielten ihre Eindrücke für eine spätere Präsentation fest.

„Gebraucht ist nicht verbraucht“, erinnerte Laura Tröster (13/Klasse 8e) an das Motto des Besuchs. "Das Sozialkaufhaus hilft Menschen, die sich nicht alles leisten können", sagt sie. „Wegwerfen muss man ja nichts", meint Max Preußner aus der 8c. Die Schüler stellten fest, wie wichtig es ist, abseits aller Trends Angebote für Menschen mit kleinerem Budget zu machen. ohne dabei Schamgrenzen zu verletzen.

Das Sozialkaufhaus hilft Menschen, die sich nicht alles leisten können

Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasium besuchten gestern das Sozialkaufhaus Humanitas. Foto: Rother

Quelle: Westfälischer Anzeiger Hamm - 06. Datum 2011 • Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.